Aus der Geschichte von Tänikon
Erstmals wird Tänikon als" villa Tanninchova" in einer Urkunde aus dem Jahre 789 als Gerichtsstätte bezeugt. Spätere Erwähnungen deuten auf eine dauernde Besiedlung hin. Ab dem 11. Jahrhundert gehörte Tänikon nacheinander den Grafen von Rapperswil und den Herren von Bichelsee.
Spätestens im Jahre 1249 wurde das Frauenkloster gegründet. Vor der Reformation (um 1500) muss Tänikon eine stattliche Klosteranlage gewesen sein. Bauzeugen dieser Zeit sind die Kirche und das Refental. In den Wirren der Glaubensspaltung war das klösterliche Leben praktisch erloschen. Unter Äbtissin Sophia von Grüt entstand das Kloster wieder, das im 17. Jahrhundert erneut eine grosse Blüte erlebte. Aus diesen Jahrzehnten stammen das Prälatenhaus, Lilienthal und Äbtissinnenhaus. Die prächtigen Glasscheiben im Kreuzgang gaben Zeugnis vom Kunstsinn der Äbtissinnen.
Bis 1798 übten die Klostervorsteherinnen in Aadorf, Ettenhausen und Guntershausen die niedere Gerichtsbarkeit aus. Das Rechtsverhältnis zwischen diesen Gemeinden und dem Kloster war in Offnungen, einer Art Gemeindeverfassungen, niedergelegt. Die führenden Köpfe des frühen 19. Jahrhunderts waren Technik- und fortschrittsgläubig, verbunden mit einem Mangel an Verständnis für die Tradition. Die Meinung, die Kloster seien reich und "jedem gemeinnützigen Wirken fremd geblieben", war weit verbreitet. Nach verschiedenen Massnahmen, wie Einsatz staatlicher Klosterverwalter und Bewilligung, bzw. Verbot von Novizenaufnahme beschloss der Thurgauer Grosse Rat 1848 unter anderem die Aufhebung des Zisterzienserinnenklosters Tänikon.
Der Tänikoner Konvent vereinigte sich erst 1869 mit den ebenfalls aufgehobenen Klöstern Kalchrain und Feldbach zum Nachfolgekloster Mariastern-Gwiggen in Vorarlberg. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit der staatlichen Klosterverwaltung gingen die Kirche mit Friedhof, das Pfarrhaus mit wenig Umschwung und Fondsgelder an die Kirchgemeinde Tänikon über.
Die ehemalige Klosterkirche und heutige Pfarrkirche reicht in den ältesten Teilen bis ins 14.Jahrhundert zurück. Das klassizistische Aussehen erhielt sie im wesentlichen beim Umbau von 1829-1831. Die Kirche ist der Gottesmutter geweiht (Mariae Aufnahme in den Himmel) - Kirchenpatron ist der heilige Bernhard von Clairvaux (Kirchenfest am 20. August). Bemerkenswert ist die frühromantische Orgel aus der Klosterzeit (1835, Restauration 1975). Das Pfarrhaus errichtete die Kirchgemeinde 1967 anstelle des Altbaus von 1853.
1850 kaufte Nina von Planta von Samaden das Klostergut im Umfang von rund 100 Hektaren. Neben der Gutswirtschaft bestand .von 1857 bis 1918 eine Tonwarenfabrik. Letzte Gutsbesitzerin von 1936 bis zum Verkauf an die Eidgenossenschaft 1968 war Emma Zuber-Schmid.
Die eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (ART) nahm am 1. April 1969 ihre Arbeit auf. Der Bund renovierte die historischen Gebäude und ergänzte diese mit Neubauten, sodass auf dem ehemaligen Klosterareal wieder ein Hof entstand. Nördlich der Staatsstrasse wurden Maschinen- und Prüfhallen, Werkstätten und Versuchsbauten sowie zwischen Lützelmurg und Bahn Ställe errichtet. Die geräumige Klosterscheune nahm die landtechnische Entwicklungsschau auf. Dieses Agro- Technorama enthält auf einer Ausstellungsfläche von 1800 m2 über 700 Gegenstände aus dem 19. und 20. Jahrhundert.